Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch? Die Rechnung ohne Schoenfaerberei

Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch?

Fuer Eigenheime mit mittlerem bis hohem Stromverbrauch rechnet sich eine Photovoltaikanlage 2026 weiterhin – aber ueber den Eigenverbrauch, nicht ueber die Einspeisung. Laut Bundesnetzagentur liegt die Verguetung fuer Neuanlagen bis 10 kWp seit dem 1. August 2026 bei rund 7,7 ct/kWh. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist dagegen so viel wert wie dein Bezugspreis. In dieser Differenz entsteht die Rendite.

Warum sich die Rechnung grundlegend verschoben hat

Bis vor wenigen Jahren war Photovoltaik im Kern ein Einspeisegeschaeft: Anlage aufs Dach, Strom ins Netz, feste Verguetung ueber 20 Jahre. Diese Logik traegt nicht mehr. Die Einspeiseverguetung sinkt seit Februar 2024 alle sechs Monate um ein Prozent, zuletzt zum 1. August 2026; die naechste Absenkung folgt am 1. Februar 2027. Der Strombezugspreis fuer Haushalte ist ein Vielfaches davon.

Daraus folgt die Kennzahl, auf die es heute ankommt: die Eigenverbrauchsquote. Sie beschreibt, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms im eigenen Haus verbraucht wird, statt ins Netz zu fliessen. Ohne Speicher liegt sie bei einem typischen Haushalt erfahrungsgemaess bei etwa 25 bis 35 Prozent, mit Speicher bei 60 bis 80 Prozent.

Die zweite Kennzahl heisst Stromgestehungskosten: was dich eine selbst erzeugte Kilowattstunde ueber die Lebensdauer der Anlage kostet. Diese Zahl vergleichst du mit deinem Bezugspreis – nicht mit der Einspeiseverguetung.

Wie viel Strom liefert eine Anlage in Deutschland?

Ein Kilowatt Peak installierter Leistung liefert in Deutschland je nach Region, Ausrichtung und Neigung etwa 900 bis 1.100 kWh im Jahr. Sueddeutschland liegt am oberen Rand, Norddeutschland am unteren. Eine nach Sueden geneigte Flaeche mit rund 30 Grad erreicht das Maximum; eine Ost-West-Aufteilung verliert etwa zehn bis fuenfzehn Prozent Jahresertrag, verteilt den Ertrag aber gleichmaessiger ueber den Tag – was bei hohem Eigenverbrauch der bessere Kompromiss sein kann.

Verschattung wird am haeufigsten unterschaetzt. Ein Kamin, ein Nachbarbaum oder eine Gaube kosten je nach Verschaltung erheblich mehr Ertrag, als ihre Flaeche vermuten laesst, weil in einem Strang das schwaechste Modul den Ton angibt. Leistungsoptimierer oder Modulwechselrichter koennen das abfangen, kosten aber Geld – ob sich das lohnt, ist eine Rechnung und keine Glaubensfrage.

Wie rechnet man die Ersparnis konkret?

Der Rechenweg hat vier Schritte. Ich mache ihn mit einem Beispielhaushalt vor; setz deine eigenen Zahlen ein. Annahmen: 5.000 kWh Jahresverbrauch, 10 kWp Anlage, spezifischer Ertrag 1.000 kWh je kWp, Bezugspreis 35 ct/kWh, Einspeiseverguetung 7,7 ct/kWh.

  1. Jahresertrag: 10 kWp mal 1.000 kWh sind 10.000 kWh.
  2. Eigenverbrauch ohne Speicher, 30 Prozent: 3.000 kWh. Diese Menge ersetzt Netzbezug und spart 3.000 mal 0,35 – also rund 1.050 im Jahr.
  3. Einspeisung, 7.000 kWh: 7.000 mal 0,077 – rund 539 im Jahr.
  4. Summe: etwa 1.589 im Jahr.

Dieselbe Anlage mit Speicher und 70 Prozent Eigenverbrauch: 7.000 kWh eigen (2.450) plus 3.000 kWh eingespeist (231) – zusammen rund 2.681. Der Speicher bringt in diesem Beispiel also gut 1.090 im Jahr zusaetzlich, und daran misst sich, ob sein Anschaffungspreis vertretbar ist.

Was dieses Beispiel nicht kann: Es unterstellt einen gleichmaessigen Verbrauch und einen konstanten Strompreis. Beides stimmt nicht. Wer werktags von acht bis achtzehn Uhr ausser Haus ist und keine steuerbaren Verbraucher hat, liegt ohne Speicher eher bei 20 als bei 30 Prozent Eigenverbrauch.

Was kostet eine Anlage aktuell?

Der durchschnittliche Systempreis lag nach Angaben des Fraunhofer ISE im Maerz 2026 bei gut tausend Euro je Kilowattpeak fuer schluesselfertige Aufdachanlagen und damit rund vier Prozent unter dem Vorjahreswert. In der Praxis streuen die Angebote breit: Kleine Anlagen liegen je kWp hoeher, weil Geruest, Anfahrt, Elektroarbeiten und Anmeldung unabhaengig von der Modulzahl anfallen.

Ein Hinweis, der bares Geld wert ist: Seit Januar 2023 gilt gemaess § 12 Abs. 3 UStG ein Umsatzsteuersatz von null Prozent fuer Photovoltaikanlagen auf und an Wohngebaeuden, bei Anlagen bis 30 kWp ohne weitere Pruefung. Angebotssummen sind fuer Privathaushalte damit brutto wie netto identisch. Weist ein Angebot Umsatzsteuer aus, ist das ein Anlass zur Nachfrage.

Fuer wen lohnt sich Photovoltaik nicht?

Diesen Abschnitt findest du auf Vergleichsportalen selten, deshalb steht er hier.

  • Niedriger Verbrauch, niemand tagsueber zu Hause. Bei 1.800 kWh im Jahr, ohne E-Auto, ohne Waermepumpe, ohne Homeoffice ist der absolute Einsparbetrag so klein, dass die Anlage ueber die Laufzeit kaum traegt.
  • Sanierungsbeduerftiges Dach. Eine Anlage haelt 25 Jahre und mehr. Muss die Eindeckung in fuenf Jahren erneuert werden, zahlst du Abbau und Wiederaufbau – plus Geruest, zweimal.
  • Starke, unvermeidbare Verschattung ueber die Mittagsstunden. Optimierer helfen, aber sie machen aus einem schlechten Dach kein gutes.
  • Verkaufsabsicht innerhalb weniger Jahre. Ob sich die Anlage im Verkaufspreis wiederfindet, ist offen.
  • Denkmalgeschuetztes Gebaeude ohne geklaerte Genehmigung. Das ist kein Ausschluss, aber es gehoert vor die Angebotseinholung.

Was ist mit den Aenderungen ab 2027?

Der Entwurf der EEG-Novelle wurde am 29. Juli 2026 vom Bundeskabinett beschlossen und liegt seit dem 14. August als Drucksache 470/26 beim Bundesrat; der Bundestag befasst sich ab September 2026 damit. Vorgesehen ist, die feste Einspeiseverguetung fuer Neuanlagen zum 1. Januar 2027 durch ein marktorientiertes Modell zu ersetzen. Beschlossenes Recht ist das nicht. Fuer Anlagen, die 2026 in Betrieb gehen, gilt nach heutiger Rechtslage der bei Inbetriebnahme massgebliche Satz fuer das Inbetriebnahmejahr und die folgenden 20 Kalenderjahre.

Kaufen oder auf 2027 warten?

Wie lange dauert es, bis sich eine Anlage bezahlt macht?

Das haengt fast vollstaendig an der Eigenverbrauchsquote und am Bezugspreis. Statt einer Pauschalzahl rechne es mit dem Weg oben aus: jaehrliche Ersparnis geteilt in die Investitionssumme. Verbreitete Angaben zwischen acht und dreizehn Jahren beruhen auf Annahmen, die zu deinem Haushalt passen koennen oder eben nicht.

Muss ich die Anlage versteuern?

Fuer Anlagen bis 30 kWp auf Wohngebaeuden gilt gemaess § 12 Abs. 3 UStG der Nullsteuersatz bei der Umsatzsteuer, und fuer die Einnahmen greift eine Einkommensteuerbefreiung. Die Details haengen an deinem Einzelfall – das ist eine Frage fuer deinen Steuerberater, nicht fuer uns.

Lohnt sich Volleinspeisung statt Eigenverbrauch?

Die Volleinspeisung wird hoeher verguetet, laut Bundesnetzagentur rund 12,2 ct/kWh fuer Anlagen bis 10 kWp seit dem 1. August 2026. Sie lohnt sich nur, wenn der Eigenverbrauch strukturell nahe null liegt, etwa bei einem Nebengebaeude ohne eigenen Verbrauch.

Bekomme ich Verguetung, wenn der Boersenstrompreis negativ ist?

Nein. Seit dem Solarspitzengesetz, in Kraft seit dem 25. Februar 2025, entfaellt die Verguetung in Zeiten negativer Boersenstrompreise; der Verguetungszeitraum verlaengert sich dafuer entsprechend.

Brauche ich einen neuen Zaehlerschrank?

Haeufiger, als es in Angeboten steht. Aeltere Zaehlerplaetze erfuellen die heutigen Anforderungen an Vorzaehlerbereich, Trennvorrichtung und Ueberspannungsschutz oft nicht. Ob ein Umbau noetig ist, entscheidet die eingetragene Elektrofachkraft vor Ort in Abstimmung mit dem Netzbetreiber – und es gehoert als Position ins Angebot.

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Grundlage sind, soweit nicht anders angegeben, Angaben laut des Bundesverbands Solarwirtschaft und des Fraunhofer ISE sowie die Foerderprogramme der Laender, Stand August 2026. Fachliche Verantwortung: Sebastian Stehle, Elektrotechnikermeister. Wir betreiben keine eigenen Anlagen und bewerten keine Anbieter.

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