Woran erkenne ich ein vollstaendiges PV-Angebot?
Ein Photovoltaik-Angebot ist vergleichbar, wenn es Module, Wechselrichter, Montagesystem, Elektroarbeiten am Zaehlerplatz, Ueberspannungsschutz, Geruest, Netzanmeldung und Inbetriebnahme einzeln benennt. Fehlt eine dieser Positionen, vergleichst du keine Preise, sondern Angebotsumfaenge. Genau daraus entstehen die Nachtraege, ueber die spaeter gestritten wird.
Warum zwei Angebote mit gleichem Preis nicht dasselbe sind
Wenn zwei Betriebe fuer zehn Kilowatt mit Speicher dieselbe Summe aufrufen, unterscheiden sie sich in der Regel nicht im Gewinn, sondern im Umfang. Der eine hat den Zaehlerschrankumbau eingerechnet, der andere schreibt bauseits. Der eine kalkuliert ein Geruest ueber die volle Traufhoehe, der andere geht von einer Hebebuehne aus, die auf dem Grundstueck gar nicht steht. Solche Differenzen bewegen sich schnell im vierstelligen Bereich und fallen erst auf, wenn die Monteure vor der Tuer stehen.
Sind die Komponenten eindeutig benannt?
Ein Angebot muss Hersteller und exakte Typenbezeichnung nennen – bei Modulen, Wechselrichter und Speicher. Monokristalline Module mit 440 Watt ist keine Angabe, sondern eine Kategorie. Ohne Typ kannst du weder Datenblatt noch Garantiebedingungen pruefen, und der Betrieb kann liefern, was gerade im Lager liegt.
Was du im Datenblatt nachsiehst: Nennleistung je Modul, Produktgarantie und Leistungsgarantie in Jahren, beim Wechselrichter die Nennleistung im Verhaeltnis zur Modulleistung und die Anzahl der MPP-Tracker. Bei verschatteten oder mehrfach ausgerichteten Daechern entscheidet die Anzahl der MPP-Tracker darueber, ob Teilflaechen unabhaengig arbeiten. Zwei Dachflaechen an einem Tracker heisst, dass die schwaechere die staerkere ausbremst.
Passt die Wechselrichterleistung zur Anlage?
Wechselrichter werden ueblicherweise etwas kleiner ausgelegt als die Modulleistung, weil die Spitzenleistung nur selten anliegt. Ein Verhaeltnis von etwa 0,8 bis 1,0 ist normal. Wird deutlich unterschritten, verlierst du an klaren Sommertagen Ertrag; wird deutlich ueberschritten, zahlst du Leistung, die nie anfaellt. Pruefe ausserdem, ob der Wechselrichter speicherfaehig ist, falls du spaeter nachruesten willst – diese eine Entscheidung ist im Nachhinein teuer zu korrigieren.
Steht der Zaehlerplatz im Angebot oder unter bauseits?
Das ist die Position mit dem groessten Streitpotenzial. Aeltere Zaehlerschraenke erfuellen die heutigen Anforderungen haeufig nicht: Es fehlt der Platz im Vorzaehlerbereich, eine selektive Hauptsicherung, der Ueberspannungsschutz oder schlicht der Raum fuer die zusaetzlichen Stromkreise. Was im Angebot stehen sollte:
- Pruefung oder Erneuerung des Zaehlerschranks, mit Preis
- selektiver Hauptleitungsschutzschalter, falls erforderlich
- Ueberspannungsschutz auf AC- und DC-Seite
- Potentialausgleich und Erdung, inklusive der Frage, ob eine Erdungsanlage vorhanden ist
- Leitungsweg vom Dach zum Wechselrichter und weiter zum Zaehlerplatz, mit Angabe der Verlegeart
Steht dort nur Elektroarbeiten pauschal, frag nach, was enthalten ist. Ein serioeser Betrieb beantwortet das in zwei Saetzen.
Ist die Montage zum Dach passend geplant?
Das Montagesystem haengt an der Eindeckung: Ziegel, Blech, Bitumen und Schiefer brauchen unterschiedliche Befestigungen. Ein Angebot, das die Eindeckung nicht benennt, wurde nicht vor Ort erstellt. Weitere Punkte, die konkret genannt sein muessen: Anzahl und Art der Dachhaken, Umgang mit vorhandenen Dachfenstern oder Gauben, Durchdringungen und deren Abdichtung, Schneelast- und Windlastzone. Letztere bestimmt den Abstand der Befestigungspunkte – sie ist keine Formalie, sondern der Grund, warum Anlagen bei Sturm auf dem Nachbargrundstueck landen.
Sind die Nebenleistungen enthalten?
Diese Positionen fehlen in guenstigen Angeboten am haeufigsten:
- Geruest, mit Standzeit und Hoehe
- Anmeldung beim Netzbetreiber inklusive Datenblaetter und Inbetriebsetzungsprotokoll
- Registrierung im Marktstammdatenregister, faellig binnen eines Monats nach Inbetriebnahme
- Koordination des Zaehlerwechsels mit dem Messstellenbetreiber
- Entsorgung von Verpackung und Altmaterial
- Dokumentation: Anlagenschema, Datenblaetter, Pruefprotokoll nach den anerkannten Regeln der Technik
Was steht zu Ertrag und Garantie?
Eine Ertragsprognose ist eine Rechnung, kein Versprechen. Sie sollte den spezifischen Ertrag in Kilowattstunden je Kilowattpeak und Jahr nennen und die Annahmen offenlegen: Standort, Ausrichtung, Neigung, Verschattung. Prognosen ohne Annahmen sind wertlos.
Bei Garantien unterscheide drei Dinge, die gern vermischt werden: Produktgarantie des Herstellers, Leistungsgarantie auf die Module und Gewaehrleistung des ausfuehrenden Betriebs auf die Montage. Nur die dritte hilft dir, wenn Wasser durch eine Durchdringung laeuft.
Ist der Betrieb der richtige?
Ein Angebot sagt auch etwas ueber den Betrieb aus. Worauf ich achte: Wird der elektrische Anschluss von einer beim Netzbetreiber eingetragenen Elektrofachkraft ausgefuehrt oder untervergeben? Gibt es eine Ansprechperson mit Namen? Ist ein Termin fuer die Aufnahme vor Ort vorgesehen, oder wurde nur nach Satellitenbild kalkuliert? Ein Angebot ohne Dachbesichtigung ist ein Schaetzwert – fuer einen ersten Preisrahmen in Ordnung, aber nicht fuer eine Unterschrift.
Die Kurzfassung zum Mitnehmen
Vor der Unterschrift sollten diese Fragen alle mit Ja beantwortbar sein:
- Sind Module, Wechselrichter und Speicher mit Hersteller und Typ benannt?
- Ist der Zaehlerplatz mit Preis kalkuliert statt als bauseits abgeschoben?
- Ist Ueberspannungsschutz auf beiden Seiten enthalten?
- Nennt das Angebot die Dacheindeckung und das dazu passende Montagesystem?
- Sind Geruest, Netzanmeldung, Marktstammdatenregister und Entsorgung enthalten?
- Legt die Ertragsprognose ihre Annahmen offen?
- Gab es eine Besichtigung vor Ort?
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Drei bis vier. Weniger gibt keinen Preisrahmen, mehr kostet nur Zeit – die Angebote fangen ab dem vierten an, sich zu wiederholen.
Was mache ich, wenn ein Angebot deutlich guenstiger ist?
Positionsweise vergleichen, nicht Summe gegen Summe. In den meisten Faellen fehlt etwas: der Zaehlerschrank, das Geruest oder der Ueberspannungsschutz. Manchmal ist es aber auch schlicht ein Betrieb mit besserer Auslastung – das laesst sich nur an den Positionen erkennen.
Muss ein Meisterbetrieb die Anlage anschliessen?
Der Netzanschluss darf nur durch ein beim Netzbetreiber eingetragenes Installationsunternehmen erfolgen. Entscheidend ist die Eintragung des Betriebs und die fachliche Aufsicht, nicht ob ein Meister persoenlich vor Ort ist.
Kann ich Teile selbst machen, um zu sparen?
Beim elektrischen Anschluss nein. Bei Vorarbeiten wie Kabelwegen oder Durchbruechen ist Eigenleistung moeglich, sollte aber vorher schriftlich abgestimmt werden, sonst leidet die Gewaehrleistung.
Muss ich die Anlage anmelden?
Ja, doppelt: beim Netzbetreiber vor dem Anschluss und im Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Beides gehoert ueblicherweise zum Leistungsumfang des Fachbetriebs – steht es nicht drin, machst du es selbst.
Angebote einholen und dann pruefen
Mit der Liste oben zur Hand lohnt sich der Vergleich mehrerer Angebote deutlich mehr, als wenn du nur auf Endsummen schaust.
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